Anne Drerup, freie Autorin und Rezensentin beim Online-Kleinkunstmagazin “Ein Achtel Lorbeerblatt"  hat folgende Rezension über meine CD "Steiniger Weg" verfasst, über die ich mich sehr freue.

 

 

 

 

Niemals Nummer eins”? - Von wegen! Über das erste - und hoffentlich nicht einzige! - Nummer 1-Album von Nicole Oelmüller: “Steiniger Weg”

 

 

Wenn Reinhard Mey singt “Welch ein Geschenk ist ein Lied” - wie groß ist dann erst das Geschenk einer ganzen - und nicht-kommerziellen - CD? In ihrem liebevoll gestalteten Booklet mit sämtlichen Liedertexten und kleinen Entstehungsgeschichten auf “Steiniger Weg” (2017) äußert sich Nicole Oelmüller wie folgt:

 

Diese CD ist unverkäuflich und für Liederfreunde gemacht, die sich für meine Texte und Lieder interessieren und über meine musikalischen Unzulänglichkeiten hinweg hören können. ;-)

 

Unzulänglichkeiten?! Das scheint doch etwas übertrieben, denn auch wenn es sich nicht um ein abgemischtes, hochprofessionelles Studioalbum handelt, sind die Lieder mit Tiefe sehr angenehm zu hören und können locker mit anderen CD-Aufnahmen “mithalten”. Außerdem gab es bei der Gitarrenbegleitung die Unterstützung und Ermutigung eines Vollprofis, Gerd Schinkel, bei dem sich die Künstlerin natürlich herzlich bedankt. Bescheiden wünscht sie sich, dass ihre Lieder, die ihr persönlich so wichtig sind, Gehör finden.

 

Doch die eigentlich ausnahmslos autobiografischen Texte über gesellschaftlich betrachtet wichtige und grundlegende Themen verdienen mehr als nur Gehör, nämlich Resonanz. Deswegen sei nun das Augenmerk auf die 16 verschiedenen, in den letzten sieben Jahren entstandenen Liedern im einzelnen gerichtet - ohne sie in eine Chronologie hineinzwängen zu wollen:

 

Was ihnen allen gemeinsam ist, ist die ruhige, balladenartige Vertonung. Die Texte erstrecken sich von Naturbeschreibungen und persönlichen Liebesliedern bis hin zu (über)lebenswichtigen Themen, meist anhand von Einzelschicksalen. Angefangen hat wohl alles mit dem -auf der CD vorletzten - Lied “Unsichtbar” (2010/Überarbeitung 2015), das den Entschluss nach einem Konzert des wohl größten Idols, das einen leider aber nicht wahrnimmt, eigene musikalische Spuren zu hinterlassen, unterstreicht: “Ich lerne Gitarre, Noten, Akkorde, ich bin auch mal dran. Ich werde berühmt für große Hall’n, du wirst seh’n und dann - bin ich dein Idol, dein Star, doch für dich nie unsichtbar.” Eine Entscheidung, die bewundernswert ist - ob mit zunehmender Bekanntheit allerdings sicher sein kann, dass sich unter den vielen Zuhörern auch - undabsichtlich- einmal unsichtbare befinden werden, bleibt fraglich...

 

Zu den ruhigen, angenehmen Naturballaden zählen sowohl “Herbstgarten” (2015) als auch “Königin im Winter” (2016), eine Liebeserklärung an die Insel Sylt, auf der nicht nur dieses Lied von Nicole Oelmüller entstand. Auch “Unbekannt verzogen” (2016) über das besondere Ereignis, eine Flaschenpost zu finden, die aber nicht an einen selbst, sondern an eine Frau gerichtet ist, die man nicht kennt, doch die ihre Famile zu verlassen haben scheint, wurde dort zeitnah festgehalten und in einem Lied verewigt - nachdem die Flaschenpost wieder zurück ins Meer geworfen wurde, wo sie eines Tages hoffentlich von der richtigen Leserin gefunden wird.

 

Nicole Oelmüller greift viele ernste Themen in ihren Liedern auf, Begegnungen, die sie selbst berühren und bewegen, dankbare Erinnerungen, die Aussicht auf Verbesserung. Letzteres wird wohl am stärksten in “Kleine Chance” (2014) deutlich, das ihrem “Patenkind” aus einem ehrenamtlichen Projekt für Kinder und Jugendliche aus sozial und emotional vernachlässigten Familien gewidmet ist: Während zunächst die Frage gestellt wird, wer sich um solch ein Kind mit all seinen Problemen und familiären Belastungen schert, heißt es im Schlussrefrain: “Ich will für dich da sein, ich pass auf dich auf. Nütz deine kleine Chance auf ‘nen helleren Lebenslauf.” Denn diese Chance existiert, auch wenn jeder Mensch an seinen “Narben” (2016), ob nun sichtbar, oder weil seelischer Natur, unsichtbar, erkennt, dass es im Leben einiges zu ertragen und überwinden gibt. Besondere Menschen, die einen begleiten, können eine große und langfristig anhaltende Hilfe sein, wie das rührende Dankeslied an den früheren Klassenlehrer “Herr K.” (2015) belegt: “Ob er ahnt, wie er mich prägte mit allem, was er damals tat? All die Jahre in Gedanken fragte ich nach seinem Rat.”

 

Wie schnell es allerdings auch geschehen kann, dass man sich plötzlich am Rande des eigenen Lebensweges wiederfindet, beschreiben die Lieder “Dunkle Stunden”(2015), “Ausgebrannt” (2016) und “Andere Welt”(2017): Ersteres beschäftigt sich mit dem Phänomen der Depression, wobei aus eigenen Erfahrungen aus ehrenamtlicher Arbeit in einem Heim für psychisch kranke Frauen geschöpft wird. Zweiteres beinhaltet das schier immer weiter verbreitete Burnout, gerade in sozialen Berufen, und ist deshalb allen Menschen gewidmet, “die gerade dabei sind, wieder ihren Weg zu finden auf der Autobahn des Lebens”, und letzters behandelt ein Thema, mit dem sich jeder über kurz oder lang als Betroffener oder Angehöriger auseinandersetzen muss: dem Thema “Alter und Demenz”. Einerseits ist das Gedächtnis für das Hier und Jetzt verloren, andererseits existieren noch sehr frühe Erinnerungen weiter und letztlich ist dem Betroffenen doch irgendwie das Dilemma bewusst, ohne es zu wollen anderen zur Last zu fallen, was nicht selten eine Todessehnsucht mit sich zieht...

 

Steiniger Weg” hat aber natürlich nicht ausschleißlich ernste und düstere Themen zum Inhalt. Die wohl charmanteste Absage für das jährliche “Liedertreffen” (2015) enthält das gleichnamige Lied, das trotz der eigenen Traurigkeit darüber, einmal aus beruflichen Gründen nicht mit von der Partie sein zu können, beschwingt und positiv klingt, weil es ganz einfach die schönen Facetten des Treffens an sich beleuchtet. Zumal die “Computermaus” für den Austausch bis zum nächsten Treffen einen gewissen Trost spendet...

Geschafft” (2015) fällt durch seine flotte Begleitung besonders auf und erscheint als eine Art “Druckventil” bei der beruflichen Neuorientierung, die ein gutes Ende nimmt (was sich im Vorfeld ja aber leider nicht voraussagen lässt). 

 

Niemals Nummer eins” (2015), das Resümee über das Leben als ständig Zweite, mit einem gewissen Augenzwinkern betrachtet, ist für jeden, der Nicole Oelmüllers CD einmal angehört hat, wohl Geschichte... Es ist ein Nummer 1-Album, und es läuft außerhalb jeglicher Konkurrenz! Schließlich gibt es eben auch wichtigeres im Leben, was das rockige “Ja, nein, vielleicht” (2014) verdeutlicht, denn manchmal ist Zeit so kostbar, was sich am ehesten erkennen lässt, wenn diese fehlt, z.B. um eine Antwort zu erhalten, auf die Frage, ob der Schwarm einen auch mag... Der Brief im Ferienlager bleibt unbeantwortet, da der Junge bei einem Unfall im See ertrinkt.

 

Steine - sie gehören auf unserem Lebensweg einfach dazu, ob wir uns an ihnen stoßen, darüber stolpern oder darin ein Stück Vergangenheit eines uns liebenswerten Gegenübers lesen können: “Ich wünscht ich könnte auch ein Stein in deinem Bild des Lebens sein” - Mit ihren Liedern schenkt Nicole Oelmüller ihren Zuhörern gleich mehrere Teile aus ihrem “Mosaik des Lebens” (2016).

 

Hut ab vor diesen Liedern, da gehen Ohren und Herz auf! Wer “Steiniger Weg” selbst nicht kennt, aber nun Interesse bekommen hat, es sich anzuhören, wendet sich am besten an die Künstlerin persönlich- er wird nicht unsichtbar bzw. ungehört bleiben.

Auf hoffentlich weitere Lieder, Begegnungen und viele kleine Mosaiksteinchen freut sich

 

Anne Drerup

 

 

 

Gedanken von Marc L. zu meinem Lied "Herbstgarten"

 

 

Lavendelduft ist lang schon verweht

 

Ein Lied kann eine tief empfundene Sehnsucht wecken, eine Farbe aufleuchten lassen und einen Duft herbeizaubern.

Als ich Nicole Oelmüller´s Lied „Herbstgarten“ zum ersten mal hörte, war es um mich geschehen. All meine Sinne waren geweckt. Ich sah mich augenblicklich in einem Herbstgarten stehen, voll Melancholie, stumm, riechend, suchend, beobachtend. Ich sah den Pflaumenbaum, der nur noch wenige Blätter trug, die Rose, die Längst keine Blüten mehr hatte und vor meinem inneren Auge konnte ich deutlich einen bunt tanzenden Drachen im kalten Wind flattern sehen. Was für ein Bild!

 

Es gibt viele Lieder, die beschreiben, was man sieht. Doch dieses Lied beschreibt noch soviel mehr! E beschreibt gerade das auf so liebevolle weise, was nicht mehr da ist. Der Lavendelduft, der lang schon verweht war,  zeriss mir fast das Herz. Wie stellt man sich einen Duft vor, der nicht mehr da ist? Die Jungvögel, die im Frühling noch fliegen lernten, waren längst fort geflogen. In meinen Gedanken hielt ich nach ihnen Ausschau und fand sie doch nicht mehr. Die Bilder dieses Liedes zogen mich so tief in ihren Bann, dass ich die Winterruheregelrecht spürte, die in dem Lied einzog.

 

 

Nicole Oelmüller singt das Lied einfühlsam, sanft, geradezu zärtlich. Die Melodie hüllt den Text wie einen Mantel ein, wärmend und schützend, so dass die Melancholie am Ende nicht Überhand gewinnt. Denn eines ist gewiss: Im Frühling wird es weiter gehen.......

 

 

 

Konzertbericht von Dr. I. Berchtenbreiter zum Wohnzimmerkonzert unter dem Motto "Elbe trifft Inn" am 09.05.2018 in Rosenheim

 

Zum Glück etwas ganz anderes als Reeperbahn und Rosenheim Cops

 

Als „ein Herz und eine Seele“ präsentierten sich Nicole Oelmüller und Helmut Pritschet ganz und gar nicht –schließlich mündet die Elbe ja auch nicht in den Inn oder umgekehrt.

 

„Zwei Seelen – ein Gedanke“ trifft ebenfalls nicht zu, nicht ein Gedanke, sondern eine Fülle von Geistesblitzen hagelte es auf die Glücklichen, die Zeuge des Treffens werden durften, herab.

 

Der Reiz bestand ja gerade darin, Themen, wie z.B. Liebe, Fürsorge, Kindermund oder Heimat von hier aus und von dort her beleuchtet zu sehen und subtilere Parallelen als bloßen Gleichklang zu entdecken. So passte auch die Entsprechung von der „Faust aufs Auge“, die Helmut Pritschet sich selbst unterstellte, nicht zur Begegnung, dazu spürt man bei seinen zugespitzten Gefühlsausbrüchen zu deutlich Sensibilität und Tiefsinn!

 

Man kann nur bewundern, mit welcher Kunstfertigkeit die beiden, die eine im Lied, der andere im Gedicht, einen Einblick in ihre Weltsicht erlaubten. Eine Offenheit, wie sie sich nur ganz Große erlaubt haben. Ganz Große, wie sie in Pritschets „Referenzen“ unter ganz gewöhnlichen Sterblichen zu finden sind und wie in Nicole Oelmüllers Hommage an Konstantin Wecker.

 

Da alles im Fluss ist, sei es im Inn oder in der Elbe, bleibt die Hoffnung, dass sich ein solches Treffen wiederholen wird.

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