über den sinn des schenkens (nach einer Geschichte von 0. Henry)

 

neunzehnhundert, tiefster winter

in london ist es kalt und rau

der glanz der weihnacht kaum zu ahnen

durch zähen nebel alles grau

armut herrscht in diesen zeiten

nur eine mahlzeit jeden tag

für mehr, da reicht das geld nicht aus

auch nicht an diesem feiertag

 

mary und james ein liebespärchen

bewohnen einen kleinen raum

über der bäckerei gelegen

dort hegen beide einen traum

mary würd gern james beschenken

die kette für die taschenuhr

die seines vaters erbstück war

so wertvoll golden mit gravur

 

und james er hätte mary gerne

den kamm geschenkt aus elfenbein

den er im schaufenster entdeckte

beim juwelier im lichterschein

am abend dann des weihnachtstages

kommt james beschwingt zur tür hinein

doch mary ist noch nicht zu haus

und so schmückt er das haus allein

 

fasst sich noch einmal in die tasche

wo die schatulle er versteckt

freut sich wie wird sie reagiern

die überraschung wird perfekt

nach etwas zeit nicht sehr viel später

kommt mary dann zur tür herein

die mütze die ihr haar bedeckt

ist voller pulverschnee, ganz fein

 

im mantel und auch noch mit mütze

hält mary james ein päckchen hin

"ich wünsch dir frohe weihnachten"

bin glücklich das ich bei dir bin

james nimmt das paket voll neugier

er packt es aus und staunt nicht schlecht

die wunderschöne goldne kette

passt zu der uhr, das gold ist echt

 

ich dank von herzen meine liebste

die kette ist ganz wunderbar

jedoch die uhr ist nicht mehr meine

hab sie getauscht für geld in bar

nun schau was ich hier für dich habe

vom geld gekauft für meine uhr

mary öffnet die schatulle

und danach kullern tränen nur

 

sie schluchzt, die mütze in den händen

ach james ich hab mein haar nicht mehr

auf marys kopf nur kurze stoppeln

ihr haar zu schneiden fiel ihr schwer

ich habs verkauft für ein paar scheine

um diese kette zu erstehn

wie bin ich nur darauf gekommen

mag nicht mehr in den spiegel sehn

 

doch james nimmt mary in die arme

und ihnen wird ganz deutlich klar

das wertvollste einander opfern

der wahre sinn des schenkens war

 

sylt, oktober 2017

 

© Nicole Oelmüller 2017

 

Anmerkung:

vor einiger zeit las ich die geschichte über den sinn des schenkens von o.henry........und fand sie so schön, dass ich ein weihnachtslied daraus gemacht habe. ich hoffe, ich konnte o. henry damit gerecht werden....

 

Text: N. Oelmüller - Musik: G. Schinkel