unbekannt verzogen (tine)

 

ich geh seit dem ich denken kann

stets mit gesenktem kopf am strand

halt ausschau nach ner flaschenpost

in hörnum und auch westerland

doch heute endlich war´s soweit

konnt´ aus der ferne sie schon seh´n

sie funkelte im sonnenschein

ungläubig blieb ich vor ihr steh´n

 

aus schwerem glas und fest verkorkt

hielt ich sie dann in meiner hand

neugierig was wohl drinnen ist

ein liebesbrief ein wenig sand

am abend dann bei kerzenschein

entkorkte ich das grüne glas

ganz feierlich bei einem wein

entrollte das papier und las

 

an tine so begann der brief

wir denken jeden tag an dich

du gingst ließt uns allein zurück

und tränen flossen bitterlich

wir hoffen dort wo du jetzt bist

wird es dir besser gehen als hier

wir sehn uns wieder irgendwann

es grüßen bernd und kasimir

 

ich rollte das papier zusamm´

und dachte über tine nach

was wohl mit ihr geschehen war

bevor ihr lebensglück zerbrach

wer waren bernd und kasimir

wie kommen sie alleine klar

und wen verloren sie mit ihr

war´n sie und bernd eine liebespaar

 

auf jeden fall ist diese post

ganz sicher nicht für mich gedacht

sie wartet doch bestimmt darauf

auf die ins glas gesteckte fracht

ich nehm die flasche geh ans meer

und werfe sie soweit ich kann

das tine sie dann doch erhält

vielleicht nicht heut´ doch irgendwann

 

sylt, januar 2016

 

© Nicole Oelmüller 2016

 

Anmerkung:

Es ist tatsächlich so. solange ich denken kann, habe ich am strand immer ausschau nach einer flaschenpost gehalten.die post, die eigentlich für tine bestimmt war, war die einzige flaschenpost, die ich jemals gefunden habe. doch wer weiß, vielleicht finde ich irgendwann mal eine, die an mich adressiert ist. bis dahin werde ich weiter mit gesenktem kopf am meeressaum entlang spazieren.......

 

Text: N. Oelmüller - Musik: N. Oelmüller